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Familie Chu

[Generation.Woche.Episode]


I.2.1 Sinneswandel
I.3.1 Freunde dot com
I.3.2 Drei, zwei, eins ...
I.3.3 Die Tochter des Generals

 

Sinneswandel


Ai`Phuong und Ahn Dung kamen in Crandayle an und hatten sich sehr bald
mit dem Makler auf ein kleines Haus geeinigt, dass den beiden passend
schien. Sicher, es musste noch einiges daran gemacht werden. Aber die
beiden waren eigentlich hauptsächlich froh, endlich aus den verfluchten
Simmington entfliehen zu können. Sie hätten sich auch mit einer Hütte
zufrieden gegeben.
 

Sie machten sich nun also an die schwere Aufgabe, sich dort neu
einzurichten. Besonders die Zimmeraufteilung machte ihnen zu schaffen,
denn sie mussten nun ja ein weiteres Zimmer für die Zwillinge einrichten.
Es kam Ai`Phoung vor, als hätten die beiden erst gestern das Licht der
Welt erblickt.

Sie erinnerte sich noch gut an Anh Dung´s Freude, als er sich Namen für
die kleinen ausgedacht hatte. Er war so stolz gewesen.

Doch auch Ai`Phuong hatte sich gefreut, als die beiden gesund und
munter heranwuchsen. Jetzt, wo sie sich weitaus mehr mit ihren drei
Kindern beschäftigte, entdeckte sie immer öfter, wie glücklich sie im
Grunde war.

Oft dachte sie kopfschüttelnd an die Zeit in Simmington zurück, wo sie
durch ihre unerfüllten Karrierewünsche oft tieftraurig gewesen war. Sie
schämte sich fast dafür, so dumm gewesen zu sein. Denn ihr war durch
ihren inneren Groll auf ihre Tochter viel an ihr verloren gegangen.

Sie war damals so versessen darauf gewesen, im Berufsleben voran zu
kommen, dass sie sich letzten Endes doch selbst am meisten im Wege
gestanden hatte.

Schlussendlich hatte es damals wohl wirklich diesen kleinen
Zusammenbruch gebraucht, bis sie hatte einsehen können, dass es eben
nicht sein sollte. Und inzwischen war sie eine wirklich glückliche Frau. Und
durch ihre innere Ausgeglichenheit hatte sie sich nun auch zu einer richtig
guten Mutter entwickelt.

Für sie war der Umzug, mehr als für alle anderen, ein Neuanfang. Jetzt
kümmerte sie sich liebevoll um ihre Kinder und ging darin voll auf. Vorher
hatte sie sich nie die Zeit genommen, zu bemerkten, wie erfüllend ihr
Leben sein konnte. Im Gegenteil. Ohne es gewollt zu haben, war sie sogar
auf ihren Mann ein wenig neidisch gewesen, weil er so erfolgreich war.

Sie hatte ihm damals seinen Erfolg natürlich nicht missgönnt. Aber leise
und heimlich hatte doch der Neid an ihr genagt. Durch die therapeutische
Arbeit nach ihrem Zusammenbruch hatte es ein klärendes Gespräch mit ihm
gegeben und Ai`Phuong war danach sehr erleichtert gewesen. Sie hatte
ihn doch sehr unterschätzt, denn er ging sehr verständnisvoll mit ihr um,
was sie ihrer Meinung nach gar nicht verdient hatte. Doch er unterstützte
sie nach Kräften und war damals sehr dafür gewesen, dass sie im Zuge der
Therapie angefangen hatte zu schreiben. Es stellte sich heraus, dass sie
sogar sehr talentiert darin war.

Leider war ihr Verleger ein kompletter Idiot, der auch nach mehrfachen
Telefonaten nicht begriff, dass Ai`Phuong kein Mann war. Aber davon lies
sie sich nicht beirren und schrieb auch jetzt in Crandayle fleißig, denn vor
dem Verkauf des Werkes musste es natürlich noch überarbeitet werden.

Wann immer sie die Zeit fand, war sie nun vor dem Monitor zu finden, was
sich dann auch auszahlte.

Als sie stolz ihrem Mann davon berichtete, umarmte er sie freudig und
gratulierte ihr natürlich. Er beschloss, die ganze Familie zu einem
Festessen einzuladen um diesen Anlass gebührend zu feiern. Es war ein
herrlicher Abend und alle hatten sehr viel Spaß gehabt. Eine Weile später
allerdings kam Ai`Phuong der Gedanke, dass sie vielleicht doch ein wenig
zu viel „Spaß“ gehabt hatten.

Sie wunderte sich sehr, denn eigentlich hatte sie Vorkehrungen getroffen,
damit sie nicht noch einmal so überrascht werden würde. Wenigstens
einmal hatte sie den Zeitpunkt doch selbst wählen wollen. Doch im
Gegensatz zu ihren anderen Schwangerschaften, war sie dieses Mal nicht
unangenehm überrascht. Nein, eigentlich freute sie sich sogar. Sie hatte
ihr Leben im Griff, der Haushalt lief gut und ihr Mann war inzwischen sogar
zum Kommandanten befördert worden.

Anh Dung hatte sich niemals vorgenommen, eine so steile Karriere
einzuschlagen, doch er war ein Mensch, der die Dinge sowieso nahm, wie
sie kamen. Und nun war auch Ai`Phuong fähig, sich zurückzulehnen und
ihm von herzen alles Gute in seinen neuen Aufgaben zu wünschen, wenn er
am Morgen das Haus verlies.

Für sie hätten die Dinge einfach nicht besser laufen können, stellte
Ai`Phuong an einem Tag fest, als die kleine Bian mit einem traumhaft
guten Zeugnis nach Hause kam.

Bian war aufgeregt und prahlte ein wenig mit ihrer 1+ und in diesem
Moment wurde Ai`Phuong klar, dass sie selbst auch richtig stolz auf das
Mädchen war. Bian hatte sich prächtig entwickelt und man konnte sie
wirklich einfach nur als vorbildlich beschreiben.

Täglich erledigte sie gewissenhaft ihre Schularbeiten und kam gut im
Unterricht weiter. Außerdem schien sie ein besonderes Interesse für die
Naturwissenschaften zu entwickeln, was sich bald bemerkbar machte.

Doch damit nicht genug. Oft musste man sie fast gewaltsam von ihren
Büchern losreißen, denn sie vergaß beim lesen immer wieder die Zeit. Und
die beiden hatten schon fast das Gefühl, ihre Kleine könnte am Ende noch
eine totale Stubenhockerin werden.

Irgendwann einmal sprach Anh Dung das Thema an und war doch etwas
erstaunt über die Antwort des Kindes, denn sie sagte ihm: „Papa, bleib
cool. Ich lerne doch nur jetzt soviel, damit ich später meine Ruhe hab.
Meinst Du, ich will als Erwachsene meine Zeit noch mit so was
verplempern? Nö!“ Also ließ er sie in Ruhe weiter machen. Doch die beiden
hatten weiterhin ein Auge auf die Kleine.

Und sie versuchten natürlich auch, sie wo immer es ging zu fördern. So
war es selbstverständlich, das Bian zum Geburtstag das Teleskop bekam,
das sie sich wünschte. Sie freute sich sehr und von da an gehörten die
frühen Stunden des Sonntags nur noch dem Universum.

Aber niemand hätte leugnen können, wie die beiden sich freuten als Bian
unverhofft anfing, auch andere Interessen zu entwickeln.

Anh Dung amüsierte sich immer sehr über die Gesprächsthemen der
Mädchen. Zumindest bis er das erste Mal mitbekam, dass seine Kleine ganz
offensichtlich einen Schwarm hatte. Doch auch hier reagierte er eher
amüsiert.

Am nächsten Morgen fing er Bian auf dem Weg zum Bus ab und machte ihr
den Vorschlag, den Jungen ruhig einmal einzuladen. Bian war zwar etwas
überrascht, freute sich aber sehr und rannte aufgeregt los.

Die Kinder verbrachten einen wunderschönen Nachmittag zusammen und
genossen den Schnee in vollen Zügen. Ai`Phuong und Anh Dung
beobachteten die beiden heimlich und dachten beide an ihre eigene
Kindheit zurück. Sie waren sicher, dass Bian noch eine ganze Weile ihre
„kleine“ bleiben würde, als sie die beiden draußen toben sahen.

Doch für Bian war dieser Tag etwas ganz besonderes gewesen und sie war
froh, einen so lieben Vater zu haben. Ai`Phuong war klar, dass sie in
Bian´s Herzen einen ganz anderen Platz einnahm. Obwohl es ihr einen
Stich versetzte, machte sie sich klar, dass sie es ganz allein sich selbst zu
verdanken hatte, dass Bian einfach ein „Papa-Kind“ geworden war.

Doch vielleicht, so dachte sie sich im Stillen, lag es auch gar nicht so sehr
an ihr. Immerhin waren sich Bian und ihr Vater in unglaublich vielen Dingen
einfach erschreckend ähnlich. Und es war ja nicht so, dass Bian zu ihr
keine gute Beziehung hatte.

Sie half ihr stets und war nicht nur folgsam dabei. Es machte ihr immer
Spaß, etwas mit ihrer Mutter zusammen zu machen. Und wenn es nur so
banale Dinge, wie der Abwasch war.

So hatte zum Beispiel die Schwangerschaft ein seltsames Band zwischen
den beiden geschaffen. Bian war inzwischen in einem Alter, wo sie solche
Dinge interessierten und Ai`Phuong gab ihrer Tochter ehrliche Auskünfte,
was Bian ihr ganz offensichtlich hoch anrechnete.

Für Bian war es hochoffiziell ein Wunder, was da im Bauch ihrer Mutter
geschah und sie hatte beschlossen, dass sie unbedingt eine Schwester
haben wollte. Als nun die Geburt immer näher rückte, blickte Ai`Phuong
sich in ihrer Familie um und sagte: „Du hast Recht, Bian. Es sollte wirklich
ein Mädchen werden. Wir sind in der Minderheit hier.“

Anh Dung hörte es und kam zu den beiden herüber. Er stimmte den beiden
zu und alle Lachten herzlich miteinander. Es war immer schön, wenn sie
alle gemeinsam das Wochenende verbrachten und viel Zeit für einander
hatten.

Besonders Anh Dung genoss es, seine Frau mit den Kindern zu beobachten,
denn er sah den Unterschied zu vorher natürlich am deutlichsten. Er
machte keinen Hehl aus seinen Gedanken und zeigte seiner Frau, wie
glücklich er war. Und nun endlich konnte auch Ai`Phuong sich an ihn
lehnen, sich entspannen und sagen: „Ja Schatz, Du hast Recht. Ich bin
auch glücklich.“

 

Freunde dot com


Für Ai`Phuong entwickelte sich alles prächtig. Ihrer Familie ging es gut und
sie selbst war so ausgeglichen wie nie zuvor.
 

Sie genoss ihre Schwangerschaft und fühlte sich alles in Allem rund herum
pudelwohl.
 

Die Kinder wurden immer selbstständiger und Bian nahm ihre Rolle als große
Schwester gerne wahr. Bald waren die Zwillinge zu Schulkindern
herangewachsen und die drei spielten sehr gerne miteinander.
 

Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, die Anh Dung und seine Frau
wirklich genossen. Immer wieder stellten sie staunend neue Eigenheiten an
den Kindern fest, wenn sie sich am Abend zusammen entspannten.
 

Oft lagen die beiden noch lange so zusammen und erzählten sich von ihren
Erlebnissen und den alltäglichen Dingen ihres Lebens.
 

Anh Dung hatte ja nun nicht mehr ganz so viel Freizeit mit seinen Lieben,
denn er arbeitete fleißig an seiner Karriere.
 

Doch immerhin konnte er jeden Morgen gemeinsam mit ihnen frühstücken. Er
genoss diese Momente sehr, denn in seinem Berufsleben hatte er zu dieser
Zeit ziemlich viel Stress und brauchte diesen familiären Ausgleich.
 

Meistens redete er dabei selbst kaum, sondern hörte schmunzelnd seiner
Familie beim Plaudern zu.
 

Und da gab es durchaus einiges zu hören, denn normalerweise plapperten
alle schon am Morgen munter drauf los und es herrschte eigentlich immer
eine heitere Stimmung.
 

Manchmal fiel es Ai`Phuong wirklich schwer, die anderen anzutreiben. Aber
schließlich mussten ja alle los und sie hätten sonst sicher oft bis zum
Mittag so verbracht.
 

Doch schließlich gelang es ihr immer irgendwie, alle rechtzeitig aus dem Haus
zu schicken und sie begleitete ihre Lieben immer noch mit hinaus.
 

So fiel es ihr ein wenig leichter, sich auf ihren Alltag vorzubereiten. Es war
für sie fast wie ein Ritual an das sie sich gewöhnt hatte.
 

Sie vertrieb sich oft die Zeit, denn der Haushalt war meistens schnell
erledigt. Nichts erinnerte sie mehr an die Zeit, als sie sich damit noch
überfordert gefühlt hatte.
 

Ai`Phuong hatte dazu gelernt und gönnte sich nun viel öfter Ruhe und
entspannte sich mehr als früher. Und sie musste sich ja auch wirklich keine
Sorgen machen. Die Kinder waren fleißig und machten sich gut in der
Schule.
 



Und ihr Mann war ja sowieso ein echter Glücksgriff für Ai`Phuong gewesen.
Er war nicht nur ein liebvoller Vater, der sich immer sehr um seine Kinder
bemühte …
 
 
sondern auch ein wirklich guter Ehemann. Es gab inzwischen nichts mehr,
was sie ihm nicht anvertrauen konnte und sie war sich durchaus im Klaren
darüber, was sie an ihm hatte.
 

Er machte sie zu einer glücklichen Frau und sorgte vorbildlich für sie und die
Kinder. Ai`Phuong war froh, ihn nun immer öfter stil vor sich hin grinsen zu
sehen. Sie wusste, wie sehr er sich schon auf das Baby freute.
 

Und sie teilte diese Gefühle. Natürlich ließ sie ihn an allen Vorgängen in
ihrem Bauch teilhaben und sich auch gerne dabei von ihm verwöhnen.
 

Wenn die Kinder schon schliefen gesellte er sich eigentlich immer zu ihr, um
auch ja nichts zu verpassen. Manchmal zog sie ihn schon mit seiner
Anhänglichkeit auf, doch im Grunde genoss sie es sehr, wenn er so viel bei
ihr war. Die Kinder verbrachten die späteren Stunden meist sehr
unterschiedlich.
 

Während Bian ihre Nase gewöhnlich in irgendein Buch steckte, waren die
Jungs meistens in ihrem Zimmer und spielten noch ein wenig. Bao zockte
oft noch ein wenig am Computer, während Ban es sich dann schon auf dem
Bett bequem machte und wie so oft vor sich hin träumte.
 

Kontaktfreudig waren ja beide. Oft waren andere Schulfreunde bei den
Chu´s zu Gast und Ai`Phuong sah dies natürlich gerne.
 

Sie liebte ihre Kinder natürlich und war daher wohl nicht besonders objektiv,
aber sie fand, dass die beiden wirklich gute Jungs waren und sagte einmal
zu ihrem Mann, dass sie als Kind sicher auch mit ihnen hätte befreundet
sein wollen.
 
 

Anh Dung hatte natürlich auch nichts gegen diese Besuche einzuwenden.
Die Kinder waren ja auch nicht allzu wild und er gesellte sich oft auch zu
ihnen.
 

Irgendwann fiel es ihm aber auf, dass Bian weitaus weniger Besuch
mitbrachte. Sicher, sie hatte andere Interessen als die Jungs, aber er fand
doch, dass sie sich wirklich zu viel vor ihrem PC aufhielt.
 

Was er nicht wusste war, dass seine Tochter durchaus nicht immer nur
Hausaufgaben an ihrem Computer erledigte. Sie hatte in der letzten Zeit
das Internet für sich erobert und verbrachte doch einige Zeit länger in
Chatrooms, als man von ihr erwartet hätte.
 

Sie pflegte dort viele Kontakte und plauderte oft lange mit ein paar
Freundinnen aus der Schule. Schließlich galt es wichtige Dinge, wie das
morgige Outfit zu beratschlagen. Und wenn sie dann morgens zur Schule
ging,
 

war sie zwar oft noch recht müde, aber auf jeden Fall der Meinung, perfekt
für den Tag gestylt zu sein. Diese kleinen Veränderungen in ihrem Verhalten
entgingen Ai`Phuong dagegen nicht. Sie sah schon, dass ihre Bian sich
langsam aber sicher aus ihrer Kinderzeit entfernte und beobachtete dies
sehr aufmerksam. Wenn sie dann am Vormittag allein war, dachte sie oft
über ihr Mädchen nach und schmunzelte über ihre eigenen Erinnerungen an
diese Aufregende Zeit.
 
 
 

Drei, zwei, eins ...



Eines Morgens im Frühling hatte sich Ai`Phuong nach dem Frühstück beim
Abwasch überlegt, dass sie das wundervolle Wetter bei einem ausgiebigen
Spaziergang genießen wollte.
 

Gerade, als sie sich nun also auf den Weg machen wollte, wurde sie von
heftigen Krämpfen überrascht. Im ersten Moment hatte sie es noch für eine
Magenverstimmung gehalten, doch dann war ihr schnell klar geworden,
dass ihr Kind es anscheinend eiliger hatte, als sie selbst.
 

Ai`Phuong war von dieser Neuigkeit völlig überrascht und auch ein wenig
entsetzt. Drillinge. Damit hatte sie nicht gerechnet. Schnell wurde ihr Mann
verständigt und eilte zu ihr. Er ließ sich seinen Schock nicht anmerken und
half seiner Frau dabei, ein paar Namen für die Babies zu finden.
 

Als sie die Kleinen versorgt und in ihre Bettchen gesteckt hatten,
überrannte Ai`Phuong eine mittelschwere Panikattacke und er hatte
wirklich einige Mühe, sie wieder einigermaßen zu beruhigen, denn auch er
war ziemlich überwältigt.
 

Doch er fand bald wieder zu seiner Gelassenheit zurück und nahm sie
lächelnd in die Arme.
 

„Mach Dir keine Sorgen, Liebling. Sie sind gesund, absolut niedlich und
genauso hübsch, wie ihre Mutter. Das schaffen wir schon.“
 

Er hielt sie fest und nahm ihr alle Zweifel. Und er war wirklich zuversichtlich,
denn im Gegensatz zu ihr neigte er tatsächlich nicht dazu, an ihren
Fähigkeiten als Mutter zu zweifeln.
 

Er war zwar immer noch überrascht, aber keineswegs im negativen Sinne. Er
fand es einfach wundervoll, dass Haus voller Kinder zu haben und hätte
wohl nie genug davon haben können. Denn anstatt eventueller Überlastung
bedeute es für ihn vielmehr eine ungeheure Motivation.
 

Er war schon eine ganze Weile nicht mehr zufrieden mit seiner Position als
Kommandant und griff nun immer zielstrebiger nach den Sternen.
 

Und das bald sogar wörtlich, denn er wurde tatsächlich ins
Raumfahrtministerium versetzt. Doch dies waren nicht die einzigen guten
Nachrichten.
 

Denn während Ai`Phuong fürsorglich mit den Babies beschäftigt und,
nebenbei bemerkt, auch völlig ausgelastet war und ihr Mann täglich mit
bester Laune zu seinem neuen Job fuhr,
 

gab es auch von den Kindern gutes zu berichten. Ban und Bao hatten sich
in der Schule ordentlich betragen und immer fleißig mitgearbeitet. Beide
gingen gerne zur Schule und hatten dort keine größeren Schwierigkeiten
gehabt.
 

Und so war es also auch keine wirklich große Überraschung, als die beiden
eines Tages mit sehr guten Zeugnissen nach Hause kamen.
 

Aber auch Ereignisse, die nicht überraschend kommen, sollten natürlich
gebührend gefeiert werden. Und die Jungs waren wirklich mächtig stolz auf
sich, weshalb sie natürlich aufgeregt zu ihren Eltern rannten, um ihnen die
guten Noten zu präsentieren.
 

Für die Zwillinge lief in dieser Zeit eigentlich sowieso alles prima. Sie
mussten sich um nichts kümmern und konnten unbesorgt ihren Hobbies
nachgehen.
 

Zwar teilten sie nicht alle Vorlieben miteinander, verbrachten aber dennoch
viel Zeit zusammen und es kam kaum zu Meinungsverschiedenheiten.
 

Ban war der stillere von beiden und schien hier und da sogar etwas
schüchtern zu sein. Er hatte sehr viel Phantasie und begeisterte seine
Mutter oft mit abenteuerlichen Geschichten, die er sich ausgedacht hatte.
 

Bao war wesentlich aktiver und schien sich auch bei weitem nicht so viele
Gedanken zu machen, wie sein Bruder. Am liebsten tobte er den ganzen
Tag mit seinen Freunden durch die Nachbarschaft oder den Garten.
 

Er war wirklich ein sehr lebhaftes, aber dabei auch völlig fröhliches Kind. Und
nicht selten hatte er einfach nur Unsinn im Kopf.
 

Ai`Phuong bemerkte irgendwann, dass sich diese Seite ganz offensichtlich
immer dann am stärksten zeigte, wenn er mit seinem Freund Brian
unterwegs war. Oft war Bao dann am Abend so müde, dass er schon im
Wohnzimmer einschlief.
 

Am Wochenende allerdings kam eigentlich nie Besuch vorbei und die beiden
Jungen verbrachten diese Zeit immer gerne zusammen.
 

Meistens spielten sie bis zum Abend, weil sie immer wieder die Zeit
vergaßen.
 

Die beiden verstanden sich wirklich gut, hatten aber auch zu ihrer großen
Schwester ein sehr gutes Verhältnis. Daher freuten sie sich genau so wie
sie selbst auf ihren Geburtstag.
 

Der Tag wurde besonders schön gefeiert, denn es war schließlich nicht
irgendein Geburtstag. Bian war nun ganz offiziell kein Kind mehr und das
brachte einige Veränderungen mit sich.
 

Alle hatten viel Spaß an diesem Tag und Bian hatte zusammen mit ihrer
Mutter einen Kuchen gebacken, den sie nun feierlich anschnitt und an ihre
Lieben verteilte.
 

Es war sehr schön und gemütlich an jenem Tage und Bian war sehr glücklich
über ihre Geschenke. Die Familie hatte viel Spaß zusammen und Bian
genoss den Tag sehr.
 

Als es Abend wurde, leiteten ihre Eltern die Zeremonie ein, auf die das
Mädchen schon so aufgeregt gewartet hatte.
 

Sie gingen gemeinsam in den Garten zum Familienschrein und Bian bat ihre
Vorfahren feierlich, ihr nun, da sie kein Kind mehr war, ihren vollen Namen
zu enthüllen.
 

Überglücklich und stolz folgte sie ihren Eltern wieder ins Haus. Sie war nicht
nur sehr zufrieden mit ihrem Namen, sondern auch regelrecht verzaubert
vom eben erlebten. Bis dato hatte sie dieses Ritual ja für ein Märchen
gehalten. Doch nun fühlte sie sich nicht nur alt genug, sondern auch
bereit, in die Welt der Erwachsenen aufgenommen zu werden.
 
 

Die Tochter des Generals



Ai`Phuong hatte zwar nichts in der Richtung zu ihrem Mann gesagt, doch er
half ihr natürlich trotzdem so viel wie möglich mit den Babies. Sie freute
sich sehr darüber und ging dann meistens in ihren Garten.
 

Ai`Phuong hatte nämlich für sich eine neue Leidenschaft entdeckt. Sie fand
enorme Entspannung bei der Gartenarbeit und genoss es, auch einmal ganz
alleine zu sein.
 

Ihr waren die Kinder zwar nicht zu viel, aber manchmal brauchte sie einfach
auch etwas Raum für ihre eigenen Gedanken. Diese konnten sich im Garten
immer schön entfalten.
 

Und außerdem brachte ihr dieses Hobby sogar noch wirklich köstliche
Früchte auf den Tisch.
 

Ai`Phuong war dann natürlich auch die erste, die sich einen frisch
gepressten Saft gönnte. Er schmeckte ausgezeichnet und die Vitamine
darin verschafften ihr einen regelrechten Gute-Laune-Schub.
 

So hatte sie dann auch wieder frischen Mut, wenn die Kleinen ihr Recht
forderten. Und Ai`Phuong brauchte bald mehr als einen Saft, denn Die
Drillinge wuchsen unaufhaltsam.
 

Sie war heilfroh, dass die drei so liebe und ausgeglichene Kinder waren,
denn ansonsten hätte sie das Leben mit ihnen sicher nicht bewältigen
können. Auch so war sie auf die Hilfe von ihrem Mann angewiesen.
 

Anh Dung seinerseits war voll in seinem Element, wenn er bei den Kindern
war. Er blühte dann immer voll auf und hatte sehr viel Freude mit ihnen.
 

Aber auch Bian Mai verbrachte die eine oder andere Stunde mit ihren
Schwestern, denn sie hatte sich ja sowieso eine gewünscht und sah nun
die anderen beiden als eine Art Zugabe. Sie spielte gerne mit ihnen und half
ihrer Mutter wirklich sehr damit.
 

Und es machte ihr wirklich viel Spaß. Sie war geduldig und sehr liebevoll im
Umgang mit den Kleinen, so dass ihre Eltern sich beruhigt auch einmal
etwas zurückziehen konnten. Gelegentlich gingen sie sogar für ein paar
Stunden aus.
 

Ai`Phuong und Anh Dung mussten sich tatsächlich keinerlei Sorgen machen,
denn Bian Mai nahm ihre Aufgaben sehr ernst. Sie half ihren Brüdern bei
deren Hausaufgaben …
 

und achtete sorgfältig auf die Mädchen, damit diese sich nicht aus versehen
beim Spielen verletzten oder dergleichen.
 

Bian Mai war wirklich eine richtig gute „große Schwester“, denn es war für
sie selbstverständlich, den Kleinen zu helfen. Und nebenbei empfand sie es
auch als gute Übung, denn sie wollte ja auch irgendwann einmal Kinder
haben.
 

Doch solche Gedanken waren für sie noch in weiter Ferne. Noch …
konzentrierte sie sich mehr auf ihre Schulaufgaben.
 

Wobei sie ihrem Tagebuch gelegentlich ganz andere Dinge anvertraute. Dort
war dann von dem einen oder anderen Mitschüler die Rede, der etwas
besonders nettes zu ihr gesagt hatte.
 

Besonders glücklich war sie aber darüber, dass sie sich in letzter Zeit
besonders gut mit ihrer Mutter verstand. Sie hatte sich zu einer echten
Vertrauten entwickelt und Bian Mai erzählte ihr gerne von ihren Erlebnissen.
 

Die beiden hatten das große und seltene Glück, unbefangen über so gut wie
alles mit einander reden zu können. Bian Mai nutze dies natürlich gerne und
die beiden entdeckten zu jener Zeit viele Gemeinsamkeiten aneinander.
 

Für Ai`Phuong war es eine wundervolle Zeit. Mit Bian Mai lief alles wie am
Schnürchen. Sie hatte sich zu einem wahren Goldstück gemausert, dass
nicht nur im Haushalt glänzte, sondern auch ihre schulischen Ziele strebsam
verfolgte.
 

So hatte sie sich zum Beispiel um ein paar Stipendien beworben und schon
eine Zusage bekommen.
 

Auch Anh Dung ging in seinem Beruf auf und erlebte immer wieder
spannende Missionen. Von einer berichtete er seiner Frau besonders stolz,
als er eines Tages zu Hause ankam.
 

Und das nicht ohne Grund. Er hatte genau die richtige Entscheidung
getroffen.
 

Ai`Phuong fiel ihm stürmisch um den Hals und freute sich von Herzen für ihn.
 

Sie war so stolz auf ihn. Der Anstand hätte es ihm wohl eigentlich geboten,
ihre überschwänglichen Gratulationen abzuwehren. Doch Er war selber auch
so froh, endlich all seine beruflichen Ziele erreicht zu haben, dass er es
gerne geschehen ließ.
 


Beide grinsten sich fröhlich an und Ai`Phuong staunte noch ein paar Minuten
dem Hubschrauber nach, der von nun an ihren Mann zum Dienst abholen
würde.
 

Der Rest der Familie nahm die Beförderung natürlich auch gut auf. Die Jungs
waren natürlich völlig aus dem Häschen, als Anh Dung von dem
Hubschrauber erzählte.
 

Zur Feier des Tages versammelten sie sich im Garten und Ai`Phuong
servierte ihnen frisch verkohlte HotDogs. Natürlich war es ihr peinlich, doch
ihre Familie sah scherzend darüber hinweg. Nichts konnte ihnen an diesem
Tag die Laune verderben. Und den Magen auch nicht.
 

Das Wetter war herrlich und die Kinder spielten ausgelassen an diesem
schönen Sommertag. Und als Ai`Phuong später den anderen beim
Planschen zusah, kam ihr wieder einmal der Gedanke, dass es wohl kaum
besser laufen könnte.