Familie Imamu

[Generation.Woche.Episode]
I.2.1 Kinder,
Kinder ...
I.2.2 Von
Schneemännern und Piraten
I.3.1 Heimkehr
I.3.2 Masterplan
I.3.3 BoyzIIMen
Kinder, Kinder …

Kaum, das Akilah und Akin
in ihrem neuen Haus die Koffer ausgepackt
hatten, wurden sie von den Wehen überrascht. Akilah hatte zwar
sowieso
eine Hausgeburt geplant, war von der Schnelligkeit ihrer
zweiten
Entbindung aber dennoch sehr überrumpelt.

Nachdem auch Akin sich
wieder etwas beruhigt hatte und seiner Frau so
gut es ging geholfen hatte, schauten sich beide glücklich an
und Akin
platzte förmlich vor Stolz. Er war es, der seinen Jungs die
Namen gab.

Akilah fand die Namen zwar
schön, hätte aber dennoch gerne das eine
oder andere Wörtchen mitgeredet. Doch als sie ihn so ansah,
wie er mit
leuchtenden Augen sein Kind in den Armen hielt, schien ihr das
alles nicht
mehr so wichtig.

Es war ihm so sehr
anzusehen, wie glücklich er war. Und dies wiederum ließ
Akilah´s Herz derartig hoch schlagen, dass es ihr fast vorkam,
in ihrer
Brust wäre einfach nicht genug Platz für so viel Glück.

Sie hatten nun drei
wundervolle Kinder und für die beiden war so schnell
nun schon der Wunsch nach einer Familie wahr geworden. Auch
ihre kleine
Bahati entwickelte sich prächtig und bald war sie aus ihren
Windeln
herausgewachsen.
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Akin liebt natürlich alle
seine Kinder, doch in Bahati war er geradezu
vernarrt. Wann immer er Zeit hatte, kümmerte er sich rührend
um die Kleine.

Er war dabei sehr
liebevoll und vor Allem geduldig mit ihr, was Akilah sehr
freute. An einem Abend hatte er sich zum Beispiel vorgenommen,
Bahati
das Laufen beizubringen. Und er ließ sich dabei auch nicht
entmutigen.

Irgendwann blickte er zu
seiner Frau und konnte, obwohl er ein wirklich
wortgewandter Mann war, seinen Gefühlen kaum Ausdruck
verleihen. Akilah
schmunzelte vor sich hin und beobachtete die beiden noch ein
Weilchen.

Sie selbst fand natürlich
auch, dass ihr Kind offensichtlich das klügste von
allen sei. Doch im Gegensatz zu ihrem Mann kannte sie ihr Kind
eben auch
von der weniger niedlichen Seite. Ihre Quengeleien und
Brüllattacken
schien Bahati nämlich bewusst für ihre Mutter zu reservieren.
Doch im
Großen und Ganzen war sie wirklich ein liebes Kind.

Und außerdem machte ein
einziges Lächeln des Kindes sowieso wieder alles
andere wett und Akilah konnte ihr ja eh nicht lange böse sein.

Sie versorgte ihre Kinder
sehr liebevoll und hatte auch enorm viel Freude
daran.

Und spätestens wenn sie
schliefen, waren ja nun wirklich alle Kinder die
reinsten Engel. Die Zeit verging und Akilah´s
Mutterschaftsurlaub neigte
sich dem Ende zu. Bei einem intensiven Gespräch beschlossen
sie und ihr
Mann, dass sie wieder arbeiten gehen würde. Akin´s Job war
zwar gut,
aber beide mussten zugeben, dass seine Karriere doch ziemlich
abenteuerliche Bahnen einnahm und ihr journalistischer Beruf
doch etwas
handfestes sein würde.

Akilah nahm also Kontakt
zur Babysitteragentur auf und wurde auch
prompt vermittelt.


Nachdem die
Kinderbetreuung also gesichert war, bereitete Akilah sich
gewissenhaft auf ihre Arbeit vor und las sich dazu erst einmal
gründlich in
alles ein, was ihr in den vergangenen Monaten entgangen war.

Und schon bald war ihr
erster Arbeitstag gekommen und sie verließ mit
einem mulmigen Gefühl im Magen ihr Haus. Das schlechte
Gewissen
begleitete sie.

Wobei dies eigentlich
unbegründet war, denn oft ergab es sich, dass Akin
gerade frei hatte und somit den Alltag zu Hause bewältigte.

Er tat dies nicht nur
sorglos, sondern auch völlig unbefangen und
selbstsicher. Er kannte seine Kinder doch und fühlte sich
durchaus im
Stande, sie tagsüber zu versorgen.

So verbrachte er die Zeit
mit seinen Jungs hauptsächlich schäkernd und
nahm die unangenehmeren Aufgaben kaum als Last wahr. Es war
für ihn
alles völlig selbstverständlich und er erledigte alles sehr
gut.

Er zeigte Bahati ihren
ersten Schnee und genoss ihre Euphorie darüber in
vollen Zügen. Auch sein Schneemann schien ihr zu gefallen, was
ihn
natürlich freute. Sie konnte ja inzwischen schon ganz gut
sprechen und
taufte ihn „Mr. Cool“

Es lief also alles
wirklich gut mit Akin als Hausmann und er war sogar so
schlau, eventuelle Küchenbrände zu vermeiden, denn er
ignorierte einfach
die Existenz des Ofens und begnügte sich mit Sandwiches.
Gewöhnlich
kochte Akilah dann abends noch etwas „vernünftiges“, doch
eines Tages
kam sie mit einer Überraschung nach Hause.

Akin umarmte sie stolz und
gratulierte ihr fröhlich. Und selbst die Kinder
ließen sich von dieser Freude anstecken und glucksten vergnügt
vor sich
hin. Lachend ließ Akilah sich ein wenig hochleben und freute
sich sehr.
Immer öfter erzählte sie nun ihrem lieben Mann am Abend von
irgendwelchen Filmen und irgendwann berichtete sie von einem
besonderen
„Fall“.

Für Akilah lief wirklich
alles Bestens und sie war nicht nur glücklich,
sondern auch ziemlich stolz auf sich und ihre Familie. So war
Bahati
inzwischen an der örtlichen Grundschule eingeschult worden und
gab sich
große Mühe, dort gut abzuschneiden.

Und auch die Zwillinge
hatten kürzlich Geburtstag gehabt und machten nun
mit ihren Krabbel-erkundungsrunden die ganze Wohnung unsicher.
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Da Akin beruflich zu
dieser Zeit gerade sehr eingebunden war, verbrachten
die Kinder die Abende hauptsächlich mit ihrer Mutter und
manchmal wusste
Akilah kaum noch, wo ihr der Kopf stand.

Die beiden waren von ihrem
Wesen her sehr fordernd und Akilah hatte
schwer mit ihrem Gewissen zu kämpfen, wenn sie morgens völlig
übermüdet
das Haus verließ. Die Zwillinge hatten nämlich einen
unmöglichen
Schlafrhythmus und wollten bis spät in die Nacht beschäftigt
werden.

Natürlich hatte Akilah
auch spaß daran, denn die beiden waren wirklich süß
und lieb. Aber schlafen wollten sie eben einfach nicht.

Du so musste sie sich wohl
oder übel immer wieder sehr lange mit den
beiden auseinandersetzen.

Irgendwann beschloss
Akilah, diese Stunden dann wenigstens sinnvoll zu
nutzen und verbrachte die Zeit mit ihnen dann „pädagogisch
wertvoll“.

Mit Boseda klappte das
auch wirklich gut. Er war offensichtlich sehr
wissbegierig und hatte eine schnelle Auffassungsgabe.

Doch Bandele brauchte in
dieser Hinsicht wesentlich mehr Aufmerksamkeit.
Akilah wäre im Traum nicht eingefallen, dass als eine Schwäche
zu werten.
Und schließlich lernte er ja auch. Aber eben anders. Bei ihren
täglichen
Telefonaten sprach Akilah dies ihrem Mann gegenüber einmal an
und war
erstaunt, als Akin ihr antwortete, er selbst habe auch erst
sehr spät
angefangen zu sprechen.

Aber es erleichterte sie
doch sehr. Sie vermisste ihren Mann sehr und
freute sich zu hören, dass er nun bald wieder nach Hause
kommen würde.
Sie hasste es, von ihm getrennt zu sein.
Von Schneemännern und Piraten
Akin wollte schon am
Abend wieder von seiner Dienstreise zurück sein und
Akilah erwartete ihn wirklich sehnsüchtig. Also hatte sie
sich überlegt, ihm
besonders hübsch entgegentreten zu wollen. Und als sie so
vor ihrem
Spiegel saß, fand sie selbst auch, dass ihr Look irgendwie
ausgelatscht
daherkam. Etwas Neues musste her.

Miss Potterbottom war
mit den Kindern zu Gange und so nahm sich Akilah
einfach einmal Zeit für sich. Es brauchte einige Stunden und
Sie hatte
viele Frisuren durchprobiert, doch schließlich entschied sie
sich für etwas
Simples.

Sie war zwar immer noch
nicht ganz zufrieden mit sich, doch Akin hatte ja
immer wieder betont, dass er ihre Natürlichkeit so schätzte.
Plötzlich und
unerwartet überkamen Akilah Selbstzweifel. Sie liebte ihren
Mann so sehr
und wusste genau, wie gut sie es mit ihm getroffen hatte.
Und auf einmal
war sie sich gar nicht mehr so sicher, wie er das wohl sehen
könnte.
Immerhin war er viel unterwegs und traf auf seinen Reisen
die
interessantesten Menschen. Doch bevor sie sich vom Zweifel
zu einer
völlig unbegründeten Eifersucht hochschaukeln konnte, hörte
sie die
Haustür und freudiges Kindergeschrei. Offensichtlich war
Akin
angekommen.

Nachdem er sich von den
Kindern befreit hatte und kurz Miss Potterbottom
begrüßt hatte, kam er auf seine Frau zu und nahm sie fest in
seine Arme.
Seine Umarmung und auch der darauf folgende Kuss waren zwar
kurz, aber
derartig intensiv, dass alle von Akilah´s Gedanken der
letzten Stunden mit
einem Mal weggefegt waren. Und als er sie wieder freigab,
konnte sie in
seinem Blick mehr als deutlich sehen, wie sehr er sie
vermisst hatte.

Bei einem kleinen Snack
bombardierte Bahati ihren Vater mit allerlei Fragen
und wollte natürlich ganz genau wissen, was er alles erlebt
hatte. Akin gab
ihr geduldig antwort und die drei hatten viel zu lachen.

Aber Bahati hatte auch
etwas Ernsteres zu Besprechen. Zögerlich
berichtete sie von einem Pinguin, der neulich vor dem Haus
herumgewatschelt war. Sie war natürlich fröhlich zu ihm hin
gedüst und
hatte ihn ganz lieb begrüßt. Doch dann war ihr sein
erschrockener
Ausdruck aufgefallen und sie hatte irgendwie das Gefühl
gehabt, dass er
sich vor Mr. Cool fürchten würde. Also fragte sie, ob sie
nicht auch mal
einen „normalen“ Schneemann bauen könnte. Schließlich wollte
sie nicht
dafür verantwortlich sein, wenn die hiesige Tierwelt
traumatisiert würde.
Akin und Akilah sahen sich einen Moment lang verdutzt an,
erlaubten es ihr
aber natürlich.

Als später die Kinder in
ihren Betten lagen, gingen die beiden nach
draußen, um Mr. Cool von seinem Dasein zu erlösen und damit
Platz für
einen neuen Schneemann zu machen. Als Akilah gerade wieder
hinein
gehen wollte, hielt ihr Mann sie zurück und zog sie noch
einmal an sich
heran. Um sie herum lag die stille der schlafenden,
schneebedeckten
Nachbarschaft und Akin hatte nun endlich genug Zeit und
Ruhe, um seiner
Akilah noch einmal ausführlicher zu zeigen, wie glücklich er
mit ihr war. Als
sie wieder hineingingen, erzählte er ihr noch von seiner
Beförderung. Er
hatte damit gewartet, weil er ihre Reaktion nicht wirklich
abschätzen
konnte.

Er wiegelte ab: „Weißt
Du, es ist eher eine Archäologische Arbeit. Also
meistens ziemlich langweilig und so. Viel Recherche … und
so.“ Er gab sich
zwar alle Mühe, den Job familientauglich zu umschreiben,
aber ein Blick in
Akilah´s Gesicht machte ihm klar, dass sie ihm kein Wort
abkaufte. Doch
zu seinem großen Erstaunen machte sie ihm weder Vorwürfe,
noch
versuchte sie, ihn in einen anderen Job zu drängen. Sie bat
ihn lediglich,
sich nicht erwischen zu lassen. Eigentlich hatte sie noch
etwas sagen
wollen, doch die Kleinen machten sich bemerkbar.

Akilah versuchte, die
beiden wieder zu beruhigen und auch Akin kam bald
nach, um ihr dabei zu helfen. Dabei erzählte sie ihrem Mann
ein wenig von
den Schlafproblemen der beiden.

Akin war zwar auch
ziemlich ratlos, schaffte es aber erstaunlich schnell,
seine Söhne vom Sinn und Zwecke des Schlafes im Allgemeinen
und hier im
Besonderen zu überzeugen. Akilah sah ihrem Mann dabei
amüsiert und sehr
staunend zu, denn die beiden schliefen tatsächlich bei
seiner kleinen
Ansprache schnell wieder ein. Am nächsten Morgen erwartete
Bahati eine
freudige Nachricht.

Sie war ganz aufgeregt
und freute sich sehr, einen ganzen Tag faulenzen
zu dürfen. Natürlich galt ihr erster Gedanke wieder dem
Schneemann und
so verschwand sie bald draußen, wo Akilah ihr dann half.

Die beiden verbrachten
gerne ihre Zeit zusammen und auch jetzt hatten
sie wieder einmal sehr viel Spaß. Bahati gab sich große
Mühe, denn sie
wollte schließlich nicht irgendeinen Schneemann bauen. Nein,
dieser sollte
perfekt werden.

Und das wurde er dann
auch, wie sie voller Stolz feststellte. Für Akilah war
es dann aber bald Zeit, zur Arbeit zu gehen und so
verabschiedeten sich
die beiden bis zum Abend.

Bahati wusste noch nicht
so ganz, was sie mit dem Rest des Tages
anfangen wollte und so schnappte sie sich zunächst einmal
die Zeitung,
um ihren Lieblingscomic zu lesen.

Aber das wurde bald
langweilig und so dachte sie sich, sie könnte ja mal
eine Freundin einladen. Sie wusste ja, dass ihre Eltern
nichts dagegen
hatten.

Also griff sie zum Hörer
und rief eine Mitschülerin Namens Bian Chu an. Die
beiden saßen in der Schule nebeneinander und hatten
begonnen, sich ein
wenig anzufreunden. Bian freute sich sehr über den Anruf und
wollte auch
gleich vorbeikommen.

Bahati war gelinde
gesagt überrascht, als Bian im T-Shirt bei ihr
auftauchte, aber ihre Freundin beruhigte sie. Es würde alles
zu einem
Abhärtungsprogramm gehören und ihr sei wirklich nicht kalt.
Die beiden
verbrachten ein paar Stunden zusammen, bis Bian schließlich
wieder nach
Hause musste und sie sich verabschiedeten. Bahati verbrachte
den ganzen
Tag mit Spielen und begrüßte ihre Mutter stürmisch, als
diese später
wieder nach Hause kam.

Akilah hatte sehr gute
Laune und ging gerne auf Bahati´s Bitte ein, mit ihr
zusammen noch ein wenig zu spielen. Dabei erzählte sie ihr
auch gleich von
ihrer Beförderung.

Bahati freute sich
natürlich und Akilah verriet ihr, dass sie von dem Bonus
ja vielleicht das eine oder andere Geburtstagsgeschenk
kaufen könnte,
was die kleine natürlich dann noch mehr freute. Am Abend,
als Bahati in
ihrem Zimmer verschwunden war, sprach sie mit ihrem Mann
über die
Sache. Akin hatte natürlich nichts dagegen, zumal er ja
bemerkt hatte,
wie sehr sich sein Mädchen mit der Schule abmühte. Es schien
ihr leider
nicht so leicht zu fallen, denn sie verbrachte oft sehr viel
Zeit mit ihren
Hausaufgaben.

Aber die beiden sahen
natürlich auch ein, dass die Jungs sie oft doch sehr
ablenkten und sie sogar oft störten. Und Bahati selbst
schien sich auch
nur zu gern ablenken zu lassen, was die Sache natürlich noch
verschlimmerte.

Die beiden saßen oft am
Abend zusammen und besprachen alltägliche
Dinge. Doch immer öfter redeten sie dann auch über Bahati´s
schulische
Leistungen. Der Tag der Zeugnisvergabe rückte immer näher
und Akilah
sorgte sich inzwischen doch sehr, denn aus ihrer Kleinen war
kaum etwas
heraus zu bekommen, wenn es um die Schule ging.

Doch als es schließlich
soweit war, konnten alle drei aufatmen. Bahati
hatte es auf einen soliden Dreier-durchsnitt gebracht und
einige sehr gute
Bewertungen der Lehrer mitgebracht. So wurde Akin und Akilah
zum
Beispiel geraten, mehr auf die künstlerischen Fähigkeiten
ihrer Tochter
einzugehen und diese so gut es geht zu fördern.

Natürlich organisierten
sie schnell eine Staffelei und schenkten Bahati auch
gleich noch reichlich Material, damit sie sich so richtig
daran austoben
konnte. Bahati sprang vor Freude buchstäblich in die Luft
und malte von
da an ein Meisterwerk nach dem anderen. Überhaupt entspannte
sich die
Situation zu Hause sehr und so konnten sich Akilah und ihr
Mann wieder
mehr auf ihre Jobs konzentrieren.



Akilah erzählte ihrem
Mann immer gerne von der Arbeit, besonders jetzt,
wo er aus verständlichen Gründen lieber nicht mehr so viel
von sich
berichtete. Gewissermaßen stillschweigend hatten sie sich
darauf geeinigt,
dass Akilah ihn nicht mehr nach der Arbeit fragen würde
und er so auch
nicht in die Bedrängnis kam, sie anlügen zu müssen.

Und so plauderten sie
eben öfter von ihrem Berufsleben. Beiden war
natürlich klar, dass es nicht ewig so weitergehen konnte.
Für Akilah war es
ein enormer Antrieb, denn sie hoffte, schnell
voranzukommen. Dann
bräuchte er vielleicht nicht mehr seinem gefährlichen Job
nachgehen. Und
so schaffte sie bald den Sprung in eine höhere Abteilung.

Akin gratulierte ihr
herzlich und freute sich wirklich ehrlich für sie. Doch er
ahnte wohl bereits, warum sie sich so anstrengte. Er
versuchte nach
Kräften, sie zu beruhigen, machte ihr aber auch klar, dass
er nicht nur
Willens war, diesen Weg weiter zu gehen, sondern eben auch
fähig:
„Vertrau´ mir, Liebes. Ich bringe weder mich noch uns in
Gefahr. Ich bin
verdammt gut in meinem Job!“

Sie hatte ja immer
gewusst, dass sie einen abenteuerlustigen Mann
geheiratet hatte. Und es hatte sie auch niemals gestört.
Bis zu jenem Tag
im Winter, als Akin sie anrief und ihr von seinen neusten
Plänen berichtete.

Als Akin am anderen
Ende des Hörers ihre Atemzüge schneller werden
hörte, fürchtete er, nun hätte er es wirklich zu weit
getrieben und sie
würde ihm eine schreckliche Szene machen.

Und wären ihre Kinder
nicht in Hörweite gewesen, er hätte sogar Recht
behalten. Akilah war wie vom Donner gerührt und fand
tatsächlich keine
Worte dafür. Einen kurzen Moment lang hatte sie ja noch
gehofft, es wäre
ein Scherz, aber er bestätigte ihre Nachfragen.

Und auch, als er am
Abend wie immer überfallartig von seiner Tochter
begrüßt und empfangen wurde, hatte Akilah sich immer noch
nicht
überlegt, wie sie nun darauf reagieren sollte. Sie machte
sich klar, dass es
immerhin seine „Provisionen“ gewesen waren, durch die
einige größere
Anschaffungen überhaupt erst möglich geworden waren.

So hatte er Bahati zum
Beispiel erst neulich das lang ersehnte Klavier
geschenkt und demnächst stand der Kauf eines Autos für die
Familie an.
Akilah war ehrlich genug, um sich einzugestehen, dass sein
Job durchaus
auch Vorteile hatte. Aber wollte sie wirklich von
gestohlenem leben? Und
was sollten sie den Kindern denn erzählen? Das erste Mal n
ihrer Ehe
scheuten beide ein klärendes Gespräch. Akin erzählte ihr
natürlich nichts
von seinen „Reisen“.


Doch eines Morgens
ergab es sich, dass die Kinder und Akilah ihn in
Arbeitskleidung sahen, als er sich mal wieder auf den Weg
machte. Die
Kinder fragten natürlich verdutzt, warum er denn ein
Kostüm tragen würde
und Akilah wusste nicht, ob sie ihn belächeln oder doch
lieber einen
hysterischen Anfall kriegen sollte. Akin seinerseits
erklärte den Kindern, er
hätte einen Job in einem Freizeitpark und schaute seine
Frau an: „So
sehen Piraten nun mal aus.“

Heimkehr
ihr Mann sich mehr oder weniger höflich aus dem Weg. Beide litten sehr
unter diesen Spannungen und besonders für Akin verstärkte sich das
Gefühl, auf dünnem Eis zu gehen.

Nach dem ersten Rausch des neuen Jobs und einer Phase des Trotzes auf
seine Frau begann Akin mehr und mehr, sich seiner Situation bewusster zu
werden. Er hatte zwar einen tollen und aufregenden Job, konnte aber
keines seiner Abenteuer mit den Menschen, die er liebte, teilen.

Mit der Zeit hatte er sich nun zwangsläufig ein Gebilde aus Lügen aufgebaut
und kam sich ziemlich verlassen darin vor. Akin war kein schlechter Mensch.
Und im Grunde auch kein krimineller. Er hatte sich unbedacht und mit
Feuereifer in dieses Abenteuer gestürzt, ohne dabei großartig
nachzudenken. Nun aber begann er endlich, die enorme Tragweite seiner
Entscheidung zu realisieren.

Mit allen Konsequenzen hätte er leben können, aber die Art wie seine Akilah
ihn nun ansah, versetzte ihm ungeahnte Stiche. In ihren Augen war er ein
Verbrecher und sie konnte ihm nicht vorspielen, dass sie es anders
empfinden würde.

Eine Zeit lang hatte er noch versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Doch irgendwann hatte ihn die Kraft dazu verlassen, denn als er sein
Spiegelbild in ihren traurigen Augen sah, konnte er sich selbst nicht länger
verleugnen. Sie machte ihm keine Vorwürfe oder bedrängte ihn direkt, doch
die Enttäuschung in ihren Blicken war unverkennbar.

Und bald schwang sie auch mit jedem Wort von ihr mit. Akilah schien sich
immer mehr von ihm zu distanzieren und Akin machte der Gedanke, sie
verlieren zu können, schier wahnsinnig.

Sein Entschluss stand fest. Er wollte sein Leben, seine Familie nicht ins
Unglück stürzen und endlich wieder Verantwortung übernehmen. Also
brachte er sich wieder mehr in Form und führte ein paar Telefonate mit
alten Bekannten.

Doch damit nicht genug. Er verbrachte viel Zeit an Akilah´s Computer und
eignete sich so ein solides technisches Wissen an, welches ihm bei seinen
neuen Plänen helfen sollte. Seine zielstrebigen Anrufe bei seinen
Kontaktleuten und ein paar diskrete Treffen, die er gekonnt mit ein paar
Scheinen spickte, brachten bald die gewünschten Resultate.

So hatte er also nicht nur einen guten Job, sondern auch wieder eine
blütenreine Weste. Mit diesen guten Neuigkeiten kam er eines Tages stolz
nach Hause und überraschte seine Frau.

Akilah fiel tatsächlich ein gigantischer Stein vom Herzen. Nicht nur, weil er
sich zu guter Letzt besonnen hatte, sondern vielmehr, weil nun dieses
beklemmende Schweigen zwischen ihnen endete. Zur Feier des Tages
gingen die beiden aus.

Die Stimmung war gelöst und beide genossen den Abend in vollen Zügen.
Sie sprachen nicht viel, aber die wenigen Worte, die sie wechselten, waren
sehr sanft und liebevoll gewählt.

Fast schon zaghaft waren ihre Gesten und sie belächelten sich selbst für
ihre Unsicherheit, doch in den vergangenen Tagen und Wochen war beiden
klar geworden, wie zerbrechlich ihr Glück geworden war.

Irgendwann fasste Akilah sich ein Herz und gestand ihrem Mann, wie groß
ihre Angst gewesen war und fragte: „Dann willst Du also wieder zurück zu
… uns?“ Akin sah sie liebevoll an und nahm zärtlich ihre Hand als er
antwortete: „Ich habe nie etwas anderes gewollt.“
Die Welle der Erleichterung, die von Akilah und ihrem Mann ausging, breitete
sich schnell auf die ganze Familie aus. Und auch wenn die Kinder nicht
wussten, was in den letzten Tagen geschehen war, ließen sie sich von der
guten Stimmung ihrer Eltern anstecken.

Schon morgens plapperten sie fröhlich durcheinander und scherzten
ausgelassen miteinander. Die Jungs waren ja inzwischen auch schon
eingeschult worden und hatten dementsprechend viel zu erzählen.

Beide waren fleißig und gaben sich in der Schule viel Mühe. Der eine mit
mehr, der andere mit etwas weniger Elan. Doch pflichtbewusst waren beide
und hielten sich stets an die Regeln des Hauses.

So sollten sie zum Beispiel nicht den ganzen Tag vertrödeln und mussten
nach dem Mittagessen zunächst einmal ihre Hausaufgaben erledigen.
Danach durften die Kinder mehr oder weniger machen, was sie wollten. Akin
und Akilah waren wirklich keine strengen Eltern.

Diese Tatsache wurde gelegentlich von den Jungs etwas ausgenutzt, denn
die beiden waren wild und wussten oft nicht, wohin mit ihrer Energie. Dumm
waren sie allerdings auch nicht. Wenn Akin zu Hause war, vertagten sie
ihre Tobereien meist.

Sie verbrachten natürlich viel Zeit mit Bahati, denn alle drei hatten ein
erstaunlich gutes Verhältnis zu einander.

Sie alle gingen sehr liebevoll und vertraut miteinander um, was Akilah und
Akin natürlich sehr freute. Überhaupt fanden sie, dass ihr Mädchen einen
wirklich guten Einfluss auf die Jungen ausübte.

Oft, also eigentlich immer, wenn sie konnte, half sie ihren Brüdern bei
schulischen Problemen, so dass die beiden sich in dieser Beziehung
eigentlich nie Sorgen machen mussten.
Aber Bahati hatte sich sowieso sehr gut entwickelt. Ihre schulischen
Leistungen hatten sich gebessert und sie war ein fröhliches, geselliges
Mädchen.
Sie war geduldig mit ihren Brüdern und half ihrer Mutter, wo immer sie
konnte. Dabei musste Akilah sie nie bitten oder gar auffordern. Bahati tat
all dies von sich aus und es schien ihr sogar spaß zu machen.

Kurz um: Bahati wurde immer mehr zu einem wahren Glanzlicht der Familie.
Und dies sprach sich natürlich irgendwann herum.

Sie war natürlich froh über dieses Geschenk und überlegte eine Weile herum,
was sie sich davon alles würde kaufen können. Doch schließlich
überraschte sie ihr Eltern mit der Frage, ob sie sich wohl ein Konto
einrichten dürfte.

Akilah staunte nicht schlecht, als das Mädchen wie selbstverständlich
begann, mit ihrem Geld zu arbeiten. Bahati hatte sich gründlich damit
befasst und überraschte Akilah nun ab und an mit Neuigkeiten aus der
Börsenwelt. Akin amüsierte sich köstlich über die Vorlieben seiner Tochter
und erlaubte ihr nicht nur diese kleinen Transaktionen, sondern tätigte sie
auch für sie.

Und er beobachtete seine Kleine dabei sehr genau. Er wollte natürlich nicht,
dass sie ihre anderen Hobbies vernachlässigte, war aber nicht sehr
überrascht, dass irgendwann immer deutlicher wurde, was Bahati so mit
ihrem Leben anfangen wollte.

Der Schulwechsel auf die Highschool war für Bahati allerdings leider nicht so
reibungslos verlaufen. Sie wirkte auf ihre Mutter ziemlich in sich gekehrt
und stiller als sonst.

Und tatsächlich waren ihre Leistungen doch ziemlich eingebrochen, was
Bahati schwer zu schaffen machte. Eines Morgens, als sie gerade das
Frühstück für alle zubereitete,

fasste sie also einen Entschluss. Sie überlegte sich gut, wie sie es ihren
Eltern wohl am besten beibringen konnte.

Schließlich nahm sie all ihren Mut zusammen und erklärte ihren Eltern, dass
sie die Schule schmeißen wollte. Nach einer Schrecksekunde des
fassungslosen Schweigens hatte Akin sich wieder gesammelt und
antwortete ihr ruhig, aber bestimmt: „Nein Schätzchen, dass wirst Du
nicht.“ Die Jungs schauten sich ungläubig an und Boseda wollte gerade zu
einer Frage ansetzen, als Akilah ihm zuvorkam und die Jungs in ihr Zimmer
schickte, damit sie sich anziehen sollten. Sie selbst zog sich auch zurück
und überlies Bahati ihrem Vater.

Natürlich hatte Bahati nicht erwartet, dass ihre Eltern begeistert sein
würden. Aber dieser undefinierbare Ausdruck in Akin´s Mine verunsicherte
sie doch sehr. Ihr wäre es in dem Moment sicher lieber gewesen, wenn er
sie einfach angeschrieen hätte.

Es kostete ihn zwar ganz offensichtlich viel Selbstbeherrschung, aber Akin
blieb ganz ruhig sitzen und sah Bahati eindringlich an, als sie nun begann,
ihm ihren Plan genauer zu erklären.

„Papa, ich weiß dass das für euch jetzt bestimmt überraschend kommt, aber
ich habe mir das gut überlegt. Ich will meine Zeit nicht so sinnlos
verschwenden, weißt Du? IN der Schule lernen wir doch nur Quatsch! Ich
will mir einen Job suchen und Geld verdienen. Davon verstehe ich doch
was. Und da kann ich es auch bestimmt weit bringen …“ Ein unterdrücktes
Lachen unterbrach sie.

Akin riss sich aber schnell wieder zusammen und wurde nun sogar sehr
ernst. „Für einen Moment hätte ich Dir den Blödsinn fast abgekauft. Bahati
… Du willst es weit bringen? Nun das wünsche ich mir auch für Dich. Aber
glaubst Du denn allen Ernstes, Du würdest ohne einen Abschluss auch nur
in die Nähe von einer lukrativen Arbeit gelangen? Mädchen! Mach´ Dich
nicht lächerlich. Mit viel Glück dürftest Du den Chefs den Kaffee bringen …
oder ihre Klo´s putzen. Also wirklich …“ Er schüttelte amüsiert den Kopf und
bedeute Bahati mit einem Nicken, das diese Diskussion beendet war.

Als sie etwas später mit ihren Brüdern zum Schulbus ging, war ihre Laune
auf dem Tiefpunkt. Doch Bandele heiterte sie auf und bewunderte ihren
Mut auf so eine niedliche und kindische Weise, dass sie doch wieder
schmunzeln musste.

Als Akin sich etwas später auch auf den Weg zur Arbeit machte, kreisten
seine Gedanken immer noch um Bahati. Er hatte wenig Zeit gehabt und
hoffte, mit seiner Reaktion nicht übertrieben zu haben. Noch mehr hoffte er
jedoch, dass es sich hierbei tatsächlich nur um eine fixe Idee seiner
Tochter handelte, so wie er es annahm. Doch er musste die Gedanken an
seine Familie zeitweise zurückstellen, denn seine Arbeit nahm ihn voll in
Anspruch.


Als er am Abend wieder nach Hause kam, wollte er natürlich noch einmal
nach Bahati sehen. Akilah hielt ihn allerdings davon ab, denn Bahati war an
jenem Nachmittag nicht nur schlecht gelaunt nach Hause gekommen,
sondern auch mit einer schlechten Note.

Inzwischen hatte sie sich schmollend in ihrem Zimmer verkrochen und wollte
am liebsten nie wieder einen Fuß vor die Tür setzen. Doch irgendwann kam
ihr der Gedanke, dass sie die Idee vielleicht doch nur gehabt hatte, weil sie
sich irgendwie vor den schlechten Noten retten wollte.

Sie zog Bian Mai zu Rate und die beiden redeten sehr lange über dieses
Thema. Die beiden waren nun schon lange befreundet und Bahati verließ
sich immer auf die Tipps ihrer Freundin. Als Bahati dann irgendwann
schlafen ging, war ihr Kopf mit allen möglichen Argumenten gefüllt.

Noch Tage später hatte sie keinen wirklichen Schlussstrich unter die Idee
mit dem Job gezogen. Sie sah zwar inzwischen ein, dass sie wohl oder übel
weiter zur Schule gehen müsste, aber so ganz kampflos wollte sie doch
nicht nachgeben.

Am nächsten Tag bat sie also ihre Eltern ins Wohnzimmer und baute sich vor
ihnen auf. Sie atmete tief durch und sprach das Thema erneut an.

Diesmal jedoch klammerte sie das Thema „Schule“ dabei völlig aus. Sie hatte
sich mit der Entscheidung ihres Vaters abgefunden und konnte sie nun
auch nachvollziehen. Mehr sogar. Sie hatte ein wenig ausführlicher
recherchiert und war sich nun sicherer, was ihre Zukunftspläne anging. Sie
bat ihre Eltern um die Erlaubnis, sich einen kleinen Nebenjob suchen zu
dürfen.

Akilah und Akin hinterfragten noch dies und das, kamen aber in ihren
Überlegungen bald auf einen Nenner. Akin wandte sich an Bahati: „Und was
hast Du Dir da so vorgestellt?“ Bahati erklärte ihm freudig, dass sie sich bei
einer ansässigen Bank erkundigt hätte und dass dort Assistenten gesucht
würden. Sie sah den aufkeimenden Zweifel in seinem Blick und fügte noch
hinzu: „Naja, und ich glaube, es könnte mir später nach dem College
nutzen, wenn die mich da schon kennen.“ Akin durchschaute ihre Taktik
natürlich.

Doch er verkniff die bissige Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag und sagte
stattdessen: „Na das klingt doch gar nicht mal schlecht. Du wirst Dich aber
in der Schule noch um einiges steigern müssen, das weißt Du. Wir werden
sehen, ob Du Dich damit nicht vielleicht übernimmst. Aber fürs erste kannst
Du ruhig in der Bank anfangen.“
BoyzIIMen
Akilah war wirklich zufrieden mit den jüngsten Ereignissen. Alles schien
hervorragend zu laufen und sie erlebten zusammen wirklich gute Zeiten.

Akilah genoss es und war ausgeglichen und wirklich in Hochstimmung. Ihr
Mann hatte seinen Weg zurück in die Legalität gefunden, Bahati hatte sich
eine sinnvolle Zukunftsplanung angeeignet und die Zwillinge schienen auch
rundherum glücklich zu sein.

Es zeigte sich deutlich, das Boseda ein sehr aufgeweckter Junge geworden
war, der viel Zeit damit verbrachte, seinen Wissensdurst zu stillen.

Bandele dagegen war verspielter und verbrachte oft stunden damit, sich
irgendwelche Phantasiespiele auszudenken.

Meist waren sie am Ende so ausgefeilt, dass er sogar seinen Bruder davon
überzeugen konnte, ihn in seine Welt zu begleiten. Die Jungen spielten
gerne und viel miteinander. Und das eigentlich auch immer friedlich.

Nur wenn sie sich an der Spielekonsole zu einem Duell verabredeten,
verhärteten sich gelegentlich die Fronten.

Und dann zeigte sich wohl am deutlichsten, wie die beiden Jungen sich
unterschieden. Boseda ging immer recht gelassen an ein Match,
wohingegen Bandele immer sehr leidenschaftlich um den Titel kämpfte. Und
sich natürlich auch genau so leidenschaftlich über Niederlagen ärgerte.

Akilah hatte ein wachsames Auge auf diese kleinen Konkurrenzkämpfe,
beruhigte sich selbst aber immer wieder schnell, denn es arte nie in
wirklichen Streitigkeiten aus. Sie war sehr froh darüber, denn so hatte sie
den Kopf frei und konnte sich voll auf ihre Karriere konzentrieren.



Die Familie war natürlich begeistert und alle gratulierten Akilah
überschwänglich. Besonders die Kinder waren regelrecht aus dem
Häuschen, da es in ihrer Vorstellung sicher ein spannender Job war. Sie
konnten mit Begriffen wie „Recherche“ oder „Redaktionsschluss“ ja noch
nicht so viel anfangen.

Stattdessen alberten sie herum und feierten die Beförderung auf ihre ganz
eigene Weise. Akilah beobachtete sie schmunzelnd und hoffte inständig,
dass die drei sich auch weiterhin so gut miteinander verstehen würden.
Noch waren sie Kinder.

Sie hatten ihre Freunde und luden sie natürlich auch gelegentlich zum
spielen ein. Akilah bemerkte allerdings auch hier wieder leichte Konkurrenz
unter den Brüdern.

Beide waren zum Beispiel gut mit Bethany Finlay befreundet. Aber Akilah sah
die drei nie gemeinsam spielen. Es sah für sie fast so aus, als würden die
beiden lieber alleine mit ihr sein wollen. Dieser Eindruck verstärkte sich
noch, als Boseda eines Tages auf Bahati zuging und sie offenbar um Rat
fragte.

Bahati arbeitete zu dieser Zeit gerade an einem Schulprojekt zur
ökonomischen Pralinengewinnung und hatte eine Idee für ihren kleinen
Bruder.

Er durfte ihr ein wenig bei der Produktion helfen.
Als Gegenleistung durfte er dann am Ende eine Schachtel Pralinen behalten.
Bahati sagte ihm wahrheitsgemäß, dass man nie etwas falsch machen
könnte, wenn man einem Mädchen Schokolade schenken würde.

Bahati hatte inzwischen ja selbst auch schon den einen oder anderen Flirt
gehabt und war daher wirklich eine ziemlich gute Beraterin für ihn. Wie
genau das Resultat von Boseda´s erstem Annäherungsversuch ausging
hatte er ihr zwar nicht verraten, aber seine außergewöhnlich gute Laune in
den nächsten Tagen, ließ viel erahnen.

Weder Bahati, noch ihren Eltern wussten, was zwischen den Jungen
vorgefallen war, oder ob sie sich überhaupt darüber ausgesprochen hatten.
Doch es war klar zu sehen, dass Boseda da Mädchen wirklich sehr mochte.
Und als langsam die Zeit verging, wurde seine Vorliebe für Bethany immer
deutlicher.

Die Brüder hatten sich zwar gleichzeitig, aber doch auf völlig verschieden
Weise entwickelt und die Details, in denen sie sich unterschieden traten
nun immer deutlicher hervor.

Das einzig konstante war die nach wie vor sehr gute Beziehung zueinander.
Wobei Akilah und Akin davon ausgingen, das diese gute Bindung wohl einzig
und allein auf Bahati zurückzuführen sei. Akin formulierte diese These eines
Abends aus: „Als ob Bahati das Zentrum der beiden wäre. Sie hält die
Jungs schön auf deren Umlaufbahn … ansonsten wären die doch längst auf
Kollisionskurs.“

Er hatte es damit eigentlich sogar ziemlich gut umschrieben. Überhaupt
hatte Akin in letzter Zeit seine Auffassungsgabe und seine Sinne für das
Zwischenmenschliche geschärft. Dies und seine angeborenen
diplomatischen Talente bemerkte natürlich auch sein Vorgesetzter.

Als er, wie zufällig, eines Morgens seiner Familie von der Beförderung
berichtete, ging ein Raunen um den Frühstückstisch. Akilah und Bahati
warfen sich einen verhaltenen Blick zu, der nicht wirklich als positiv zu
beschreiben war.

Doch die Zwillinge gafften ihren Vater andächtig an und begannen fast
gleichzeitig, ihn mit Fragen zu bombardieren. Als ihre Phantasie
anscheinend etwas mit den Jungen durchging, bremste Akin sie allerdings
ziemlich schroff.

„Seid ihr noch zu retten? Haltet ihr das etwa für ein Spiel? Das ist doch kein
Witz! Die Menschen, für die ich verantwortlich bin, haben kein
„extra-Leben“, keinen zweiten Versuch.“ Wütend erhob er sich und ging
sich umziehen.

Die beiden ahnten nichts Gutes, als er sie kurze Zeit später noch einmal zu
sich rief. Er schaute sie enttäuscht an und sagte, diesmal schon wesentlich
ruhiger: „Ich dachte wirklich, ihr wärt inzwischen weiter. Ihr habt natürlich
nicht bemerkt, wie eure Mutter sich erschrocken hat, als ich ihr von der
Beförderung erzählt habe, oder? Nein. Natürlich nicht. Und das eure blöden
Kommentare ihr vielleicht noch mehr Angst machen könnten? Daran
vielleicht schon mal gedacht?“ Bandele entging natürlich nicht, dass dies
eine rhetorische Frage war und er schaffte es gerade noch, Boseda davon
abzuhalten, jetzt noch etwas dümmeres zu antworten.

Mit grimmiger Mine und einem sehr ungutem Gefühl im Magen machte Akin
sich nun auf den Weg. Er wusste noch nicht so recht, ob er die Jungen
bestrafen sollte. Weswegen denn auch? Und er bezweifelte auch, dass dies
seine Akilah beruhigen würde.

Der neue Job ihres Mannes brachte Akilah tatsächlich wieder etwas aus dem
Gleichgewicht. Zwar war sie seiner Fähigkeiten durchaus bewusst, aber
dennoch konnte sie nicht aufhören, an die großen Gefahren für ihn zu
denken. Sie war wirklich sehr damit beschäftigt.


Völlig niedergeschlagen kam sie an jenem Tage von der Arbeit nach Hause.

Sie war wortkarg und wollte erst einmal ihre Ruhe haben. Ihren Kindern blieb
das natürlich nicht verborgen und besonders bei den Jungs regte sich das
schlechte Gewissen. Akilah hatte ja noch nicht erzählt, was passiert war
und so konnten die beiden nur spekulieren.

Akin jedoch erkannte bald, was los war und fragte sie ganz direkt, wie denn
der Tag auf Arbeit so gelaufen sei. Akilah machte erst ein paar Ausflüchte,
doch schließlich erzählte sie es doch.

Sie schämte sich richtig, so versagt zu haben und hätte sich am liebsten
verkrochen. Doch Akin hielt sie natürlich davon ab und verstand es, sie
gleich wieder ein wenig aufzumuntern.

Boseda und Bandele allerdings fühlten sich ziemlich schuldig an der ganzen
Sache. Sie hatten noch gut die Worte ihres Vaters in den Ohren und
dachten, dass ihr kindisches Verhalten sicher auch dazu beigetragen hatte.

Die beiden steckten die Köpfe zusammen und überlegten fieberhaft, was sie
nun wohl machen könnten, damit es ihrer Mutter wieder besser gehen
würde. Bandele hatte schließlich eine Idee und griff zum Telefon.
