colabirne.
Warum? ... darum!
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No need to apologize
 

Jacob hatte sich nun zu seiner vollen Größe aufgebaut und empörte sich: "Gucke? Wie ich gucke? Ich gucke überhaupt nicht! Ich wollte doch nur..." Cathy unterbrach ihn wütend: "Ja was denn? Dich dafür entschuldigen, dass ihr zwei mich in Sachen reinzieht, von denen ich gar nichts wissen will? Gut! das solltest Du auch! Ihr kommt hier reingeplatzt und macht einen auf "Romeo und Julia" und ich soll euch jetzt auch noch dabei helfen? Als ob ich das könnte! Was weiß ich denn schon von dem ganzen Kram? Und was zum Henker schert es mich auch? Weißt Du was? Gar nichts! Ich bin gerade erst hier angekommen und habe noch keinen einzigen von euch richtig kennen gelernt. Vielleicht irre ich mich ja ... aber Tyrone scheint ein echt lieber Kerl zu sein. Hast Du eben doch mitbekommen, wie sehr er sich um seine Schwester sorgt. Und das erste, was ich mache ist ... ihn anzulügen! Und wofür? Für einen Typen, der vor ein paar Minuten noch seiner Freundin Prügel angedroht hat!"

Sie hatte selbst nicht genau gewusst, wie sehr ihr das alles gegen den Strich gegangen war und erschrak fast selbst über ihre heftige Reaktion. Und wäre sie nicht so in Rage gewesen, hätte sie sicherlich auch bemerkt, dass ihre Worte Jacob offensichtlich sehr getroffen hatten. Doch auch er war wütend und machte den Fehler, sich verteidigen zu wollen: "Ach ja? Na das passt ja alles prima zusammen, oder? Ich will Dir mal eins sagen, Catherine: Ich habe Dich weder gebeten, mir zu helfen, noch wollte ich, dass Du Tyrone anlügst. Und, auch wenn es Dich nicht interessieren wird ... ich habe mit dem ganzen Scheiß hier nicht angefangen!" Cathy wusste eigentlich schon, dass er Recht hatte und sie im Grunde auf Tashy wütend war. Doch sie war viel zu aufgebracht, um das in jenem Moment einzusehen: "Meinst Du, ja? Dann bist Du also nicht nur ein feiger Schläger, sondern dazu auch noch ein Ignorant! Und Du stellst Dich hier hin und nennst Deine Freundin eine Egoistin?"

Sie sah genau, dass ihm offenbar mehr as eine Antwort darauf auf den Lippen lag und war umso erstaunter, als er nun nichts sagte. Er stand keinen Meter von ihr entfernt und beide stierten sich angespannt an und Cathy kam die Befürchtung, dass sie tatsächlich zu weit gegangen war, als sie sich nun der eben gesprochenen Worte wirklich bewusst wurde. Doch bevor sie diese nun bedauern konnte, schien sich Jacob aus seiner Starre zu lösen: "Was ich zu Tashy sage, oder nicht ... geht nur uns etwas an." Er hatte es ziemlich leise gesagt und man konnte deutlich erkennen, wie sehr er sich um Ruhe bemühte, doch Cathy war das egal. Sie war einfach zu durcheinander und wütend, um sich zu beruhigen. Die große Anspannung und ihre überreizten Nerven ließen ihren ganzen Körper zittern, doch ihre Stimme schien sie nach wie vor im Griff zu haben. Sie sprach ebenso leise wie er: "Richtig. Dann haltet euch aber auch daran!" Sie hatte nicht mehr zu sagen und ließ müde die Schultern hängen.

Beide wussten, dass es Zeit für Jacob war, zu gehen und obwohl Cathy das Gefühl hatte, dass er ihr durchaus noch etwas zu sagen hatte, hätte sie sich selbst lieber die Hände abgehackt, als ihn jetzt zurückzuhalten. Sie wollte endlich ihre Ruhe haben. Jacob drehte sich zur Tür und wollte ohne ein weiteres Wort gehen, als beide plötzlich einen Rasenmäher hörten. Jacob hastete an die Wand und Cathy sah im Nachbargarten Tyrone arbeiten, was Jacob nun einen deutlich lauteren Fluch von seinen Lippen jagte. Cathy sah ihn verständnislos an, als er sich mit seinem Hinterkopf die Wand schlug und fragte: "Ist heute Freitag?" Sie nickte ihm zu, ohne den Sinn seiner Verzweiflung zu verstehen. Er holte gequält Luft und erklärte: "Freitags bringt er immer den Garten auf Vordermann. Der ist da jetzt erstmal eine ganze Weile beschäftigt und wuselt ums Haus herum. Shit, wie konnte ich nur vergessen, welcher Tag heute ist?" Cathy stand noch immer auf der Leitung und begriff den Zusammenhang nicht.

Sie wollte gerade noch ein Mal nachfragen, als es ihr plötzlich klar wurde. Er konnte nicht gehen. Er kam nicht aus Cathys Wohnung heraus, ohne Ty über den Weg laufen zu müssen und saß also fest. Cathy war alles andere als begeistert über diese Erkenntnis und für eine Sekunde sehr geneigt, darauf zu pfeifen und ihm einfach seinem Schicksal zu überlassen. Sie konnte selbst nicht genau sagen, was nun ihren Stimmungswandel verursachte, aber irgendetwas an seiner Haltung regte tatsächlich Mitleid in ihr und außerdem hatte sie wirklich kein Interesse daran, an jenem Tage auch noch eine Handfeste Auseinandersetzung zwischen den beiden miterleben zu müssen. Und irgendwie fühlte sie sich sogar auch verantwortlich für den ganzen Schlamassel, denn sie hätte ihn ja, ihrer Meinung nach, schon vor etlichen Minuten herausschmeißen können. Sie sah zu Jacob herüber, der ihrem Blick geplagt auswich und sagte schlicht: "Dann bleib´ eben."

Objektiv betrachtet hatte Cathy ihre Worte weder gönnerhaft noch mitleidig klingen lassen, denn dass war tatsächlich auch nicht ihr Antrieb. Genau genommen war es einfach nur eine müde Feststellung gewesen, doch Jacob reagierte empfindlich: "Keine Sorge, ich bin schon weg. Ich weiß, wo ich unerwünscht bin." Cathy unterdrückte den Impuls, ihn wieder ruppig anzufahren und brachte sogar ein halbwegs glaubhaftes Lächeln zustande, als sie antwortete: "Nun hab´ Dich doch nicht so. Willst Du Dich lieber hier rausschleichen, wie ein Dieb? Komm schon, dass ist lächerlich. Und außerdem habe ich echt keine Lust, heute auch noch in eine Schlägerei verwickelt zu werden. Bleib halt hier, bis Ty fertig ist im Garten. Wir können ja ... hm ... wir könnten was essen. Ich hab irgendwie Hunger. Und hier im Flur rum zu stehen ist ja dann doch irgendwie blöd, oder?" Jacob schien zwar immer noch nicht angetan von dem Gedanken, nun doch dort zu bleiben, ließ sich aber gezwungener Maßen von Cathy überzeugen.

Auch er versuchte sich an einem freundlicherem Gesichtsausdruck und sagte: "Ok. Aber dann lass wenigstens mich kochen ... ich will Dir keine Umstände machen." Sie nickte ihn erleichtert an, denn sie hatte nicht viel Interesse daran, sich vor ihm nun auch noch durch ihr mangelndes Talent am Herd zu blamieren. Die ganze Situation war ihr sowieso schon viel zu absurd. Die beiden gingen also nach nebenan in die Küche und Jacobs Oberkörper verschwand bald im Kühlschrank. Während Cathy sich unsicher hinsetzte, hörte sie ihn leise vor sich hin murmeln und schloss daraus, dass er offenbar mit den Nahrungsmitteln zu reden schien, denn sie konnte ihn beim besten Willen nicht verstehen und fühlte sich demzufolge auch nicht sonderlich angesprochen. Der Gedanke an einen Smalltalk mit einem Joghurt amüsierte sie so sehr, dass ihr versehentlich ein kleines kichern herausrutschte. Jacob hatte es gehört und drehte sich verwundert zu ihr: "Was denn?"

Erst hatte er ein wenig feindselig geschaut, doch als er nun Cathys breites Grinsen sah, hellte auch seine Mimik sich auf und als sie ihm nun antwortete: "Ach nichts, ich habe mich nur gerade gefragt, wie der Käse wohl das Wetter findet. Und ob ihn das überhaupt interessieren würde, weil er doch sowieso gekühlt wird. Was erzählt er denn so?", konnte auch er sich ein Schmunzeln nicht mehr verkneifen, denn er kannte seine Angewohnheit, vor sich hin zu nuscheln. Er schüttelte Lächelnd den Kopf und ging aber nicht weiter darauf ein, sondern fragte: "Sag´ mal ... das Hackfleisch hier. Wie lange liegt das da schon?" Cathy war noch immer albern und antwortete: "Weiß nich. Frag es doch mal." Nachdem er sie mit verdrehten Augen ansah, sagte sie dann aber: "Ich weiß es echt nicht genau. Entweder seit gestern Abend, oder seit heute Morgen. Wieso? Meinst Du, es ist nicht mehr gut?" Sie wollte schon aufstehen und selbst einen Blick darauf werfen, aber er bremste sie.

"Nein, nein. Aber bei Hackfleisch geht´s halt schnell. Gerade bei dem Wetter ... was hältst Du von Chili?" Cathy sah ihm dabei zu, wie er sich Stück für Stück die Zutaten aus dem Kühlschrank suchte und hatte keine Einwände gegen diese Mahlzeit. Aber sie hatte leichte Bedenken, welche er offenbar erahnte: "Keine Sorge. Ich werde es schon nicht zu scharf machen. Bist Du normal empfindlich, oder sehr? Aber ein bisschen Chili muss schon dran ..." Cathy sah ihn mit großen Augen an: "Du kannst das richtig, oder? Ich meine ... so ... kochen und so?" Ihr war klar, wie lächerlich das geklungen haben musste und sie mied seinen Blick. Doch er selbst schien auch eher unangenehm berührt und antwortete: "Ach naja ... eigentlich nicht. Aber satt werde ich Dich schon kriegen." Er lächelte sie fast schüchtern an und Cathy wusste nicht so recht, wie sie das deuten sollte. Sie sagte: "Das ist sehr nett von Dir. Ich meine ... naja ... es ist wirklich nett. Dankeschön."

Er war inzwischen schon mit den Vorbereitungen beschäftigt und heilfroh, dass sie sein Gesicht in jenem Moment nicht sehen konnte. Denn wenn er auch seine Mimik nicht mehr ganz im Griff hatte, konnte er ihr durch seinen beiläufigen Tonfall doch glaubhaft vorgaukeln, dass ihre Freundlichkeit ihn nicht weiter beeindruckte: "Naja, Du solltest es erstmal kosten. Vielleicht schmeckt es ja grauselig und Du bekommst noch einen Hustenanfall. Wer weiß?" Cathy lachte: "Oh ja. Da hast Du natürlich Recht. Also danke ich Dir mal lieber erst, wenn ich Deine Speise überlebt habe. Du ... was meintest Du eigentlich mit "normal empfindlich"? Gibt es so etwas auch in "unnormal"?" Sie grinste ihn fröhlich an, als er sich nun zu ihr drehte. Er antwortete schmunzelnd: "Naja ... Mädchen sind doch immer so ... empfindlich bei Gewürzen. Das ist normal. Es gibt aber auch welche, die müssen ein Pfefferkorn nur sehen ... und fangen schon an zu heulen. Das ist dann nicht mehr normal, finde ich."

Cathy sah ihn noch einen Moment verwundert an, sagte dann aber überzeugt: "Hm ... da hast Du wohl Recht, Jacob. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich vor Pfeffer Angst haben würde, aber die Tränen hat er mir schon gelegentlich in die Augen getrieben. Das heißt dann wohl, dass ich zur zweiten Kategorie gehöre." Sie lachte: "Aber das überrascht mich jetzt auch nicht weiter. Ich war noch nie normal." Sie hatte es tatsächlich nur als Scherz gemeint und auch nicht verräterisch betont. Und gerade deshalb war sie irritiert von dem Eindruck, diese Worte hätten Jacob irgendwie hellhörig werden lassen. Er ging aber nicht weiter darauf ein und konzentrierte sich auf die Zubereitung. Erst, als er Cathy ihre Portion servierte, sagte er recht leise: "Ich finde Dich nicht "unnormal"." Doch er fügte noch schnell hinzu: "Aber das werden wir ja gleich merken, wenn Du probiert hast. Also, in welche Kategorie Du gehörst. Hau rein." Er setzte sich lächelnd neben sie und wartete.

Dabei grinste er sie aufmunternd an, was Cathy irgendwie das Gefühl gab, hier nun ihre Henkersmahlzeit vorgesetzt bekommen zu haben. Er interpretierte ihr Zögern falsch und stand wieder auf, um den beiden schnell noch etwas zum Trinken hinzustellen. Als er wieder saß, sagte er: "So. Jetzt aber. Guten Appetit, Catherine." Sie lächelte ihn an und probierte todesmutig den ersten Bissen. Sofort hellte sich ihr Gesicht und noch bevor sie heruntergeschluckt hatte, leuchteten ihre Augen Jacob begeistert an und wenn sie nicht selbst so mit ihren Geschmacksnerven beschäftigt gewesen wäre, hätte sie seine Reaktion darauf sicher bemerkt. So jedoch sah sie nicht, wie gespannt er gewesen war und dass ihr strahlendes Lächeln ihm einen stillen, heimlichen aber dafür umso intensiveren Schauer durch Mark und Bein gejagt hatte, den er selbst nicht erwartet hätte. Er konzentrierte sich auf seinen Löffel und mied ihren Blick, bis er sich wieder ganz gefangen hatte.

Cathy hatte der Verlauf des Nachmittages sehr verwirrt. Besonders Jacob schien sich immer wieder aus ihrem für ihn erdachtem Profil zu winden. Sie hatte eigentlich schon vor Stunden beschlossen, ihn furchtbar zu finden und zu hassen, doch nun war sie sich dessen bei weitem nicht mehr so sicher. Ihrer Meinung nach konnte kein Mensch, der wirklich böse war, so ein leckeres Mahl kochen. Schon gar nicht aus freien Stücken und erst Recht nicht für sie. Cathy hatte ihn ja beobachtet und sehr wohl gesehen, dass er das Essen nicht einfach nur hingeklatscht hatte, sondern sich richtig bemüht hatte. Und auch sein jetziges Verhalten wirkte so gar nicht heimtückisch auf Cathy. Im Gegenteil. Sie fand, dass er sich ausgesprochen freundlich und zuvorkommend benahm, was sie immer mehr an ihrer vorherigen Einschätzung zweifeln lies. Anscheinend zeichneten sich ihre Gedanken wieder einmal auf ihrem Gesicht ab, denn er fragte besorgt: "Ist alles ok? Schmeckt es nicht, oder so?"

Mitten aus ihren Gedanken gerissen, sah sie in sein betretenes Gesicht und ihr wurde nun sogar richtig mulmig zumute, als sie erkannte, wie betrübt er aussah. Sie schüttelte den Kopf: "Was? Ach ... oh, nein. Es schmeckt toll. Wirklich super. Ich hatte nur gerade ... ach naja ... ich habe mir gerade gedacht, dass ich mich vorhin irgendwie ganz schön daneben benommen habe. Eigentlich bin ich gar nicht so ..." Er unterbrach sie grinsend:" ... zickig?" Auch sein freundliches, ja schelmisches Grinsen konnte sie nicht aufheitern, denn es war ihr wirklich ernst mit ihrer Entschuldigung. Sie sah ihn direkt an: "Ja. Das heißt, wahrscheinlich doch. Ach ich weiß nicht. Ja, ich bin vermutlich eine furchtbare Zicke. Und vielleicht sollte mir das auch egal sein ... ist es aber nicht. Normalerweise bin ich nicht so unhöflich. Und das ..." Wieder vervollständigte er ihren Satz: " ... tut Dir leid? Ja? Warum denn?" Der Teil von Cathy, der sich noch zu gut an das Gespräch mit Ty erinnerte, wollte bei dieser Frage lauthals loslachen, doch er blieb stumm.

Sie fragte stattdessen unsicher: "Wie meinst Du das denn jetzt?" und wollte die Antwort im Grunde gar nicht hören. Doch sie blieb nicht verschont, denn Jacob antwortete: "Naja, ich meine ... was genau tut Dir denn leid? Das Du vorhin so ätzend zu mir warst, oder das, was Du gesagt hast?" Er sah deutlich, wie unangenehm Cathy diese Frage war und auch, dass sie anscheinend nicht genau wusste, was sie ihm darauf antworten sollte, also fügte er hinzu: "Weißt Du, ich kann mir schon denken, was Dir leid tut, und was eben auch nicht. Es geht mir ja auch gar nicht darum, Dich hier unnötig zu quälen, oder so. Einiges braucht Dir ja nicht einmal leid zu tun, Catherine ... aber wenn Du Dich denn schon entschuldigen möchtest, musst Du es auch richtig machen. Eine halbherzige Entschuldigung finde ich nämlich schlimmer, als jede Beleidigung." Nun war Cathy schon wieder fast trotzig und hätte ihm ziemlich gern gesagt, dass sie es überhaupt nicht nötig hätte, sich hier von ihm auch noch belehren lassen zu müssen.

Er hatte während seiner Worte gelächelt, ja sie sogar angegrinst und schien es tatsächlich nicht wirklich feindselig gemeint zu haben. Und dieser Umstand beruhigte den trotzigen Gedankengang in Cathy auch wieder. Sie erkannte, dass er es wirklich nur als eine Art Feststellung gemeint hatte. Sie bemühte sich, ihre Gedanken zu ordnen und sie in ein paar passende Worte zu bringen. Sie sagte also ganz ehrlich: "Naja gut ... also eine richtige Entschuldigung. Also was ich gesagt habe, habe ich auch so gemeint. Dazu stehe ich und es tut mir auch nicht im Geringsten leid. Wie ich es gesagt habe, tut mir schon ein wenig leid, aber ich würde es wohl genau so wieder machen, deswegen kann ich mich dafür also auch nicht richtig entschuldigen. So. Wirklich leid tut mir eigentlich nur, dass ich es überhaupt gesagt habe. Ich hatte mich mehr über Tashy geärgert, anstatt über Dich. Und da hätte ich es wohl eher ihr sagen sollen." Sie atmete hörbar aus und wartete auf Jacobs Reaktion.

Es überraschte sie doch ziemlich, dass er ganz offensichtlich gegen einen mittelschweren Lachkrampf ankämpfte, als er nun antwortete: "Aha. Na so was in der Art hatte ich mir schon gedacht." Nun siegte doch der trotzige teil in Cathy, denn sie ärgerte sich über seine Heiterkeit: "Schön für Dich. Und was ist jetzt so witzig daran?" Sie funkelte ihn giftig mit den Augen an und bereute schon wieder, was sie eben noch gesagt hatte. Doch bevor sie nun endgültig vor Wut überschäumte, sagte Jacob lachend: "Witzig eigentlich nicht. Eher drollig. Ich habe noch nie gehört, wie sich jemand entschuldigt und erstmal klarstellt, was ihm alles nicht leid tut. Das finde ich echt komisch. Aber weißt Du, was ich dabei jetzt nicht so ganz verstehe? Warum wolltest Du Dich denn überhaupt entschuldigen? Ich meine, ganz offensichtlich bereust Du doch nicht, was Du mir vorhin an den Kopf geschmissen hast. Ist ja auch ok so ... wenn Du meinst. Aber warum dann überhaupt entschuldigen?"

Cathy war inzwischen richtig sauer und wollte ihn am liebsten augenblicklich aus der Wohnung schmeißen, doch dann kam ihr der Gedanke, dass sie ja genau deswegen überhaupt davon angefangen hatte. Sie brodelte: "Du bist echt ein totaler Blödmann! Schluck mal lieber den Happen runter, denn gleich wirst Du echt was zu Lachen haben. Du willst wissen, warum ich mich bei Dir entschuldigen wollte? Ok, kannst Du haben: Also ich bin gerade dabei, dass leckerste Chili der Welt zu essen und freue mich tierisch, dass Du mir das gekocht hast. Und da denke ich mir, dass Du ja vielleicht doch nicht so ein Arsch bist, weil das ja echt nett von Dir ist und so. Ich überlege mir also, dass ich mich ja doch vielleicht getäuscht habe und dabei fällt mir auf, dass ich vorhin total unhöflich war und mich echt aufgeführt habe, wie eine bescheuerte Zicke. Aber anstatt ich bekloppte Kuh einfach meinen Mund halte ... nee, ich bin so blöde, und versuche auch noch, Dir das irgendwie zu sagen!"

Das Gelächter, mit dem sie gerechnet hatte, blieb aus und Jacob sah sie mit einem Mal sogar ziemlich ernsthaft an. Da sie nicht recht wusste, wie sie damit nun umgehen sollte, konzentrierte sie sich mit grimmigem Blick auf ihr Essen und löffelte ziellos darin umher. Doch als er nun leise zu sprechen begann, konnte sie seinem Blick nicht länger ausweichen, denn er sagte: "Ich finde nicht, dass Du eine Zicke bist, Catherine. Ich ... ich hatte das nicht böse gemeint. Ich wollte Dich doch nur ein bisschen aufziehen. Ich ... ach ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht wollte ich ja von Dir hören, dass ich eben doch nicht so ein Arsch bin. Das bin ich nämlich echt nicht. Eigentlich bin ich sogar ein ziemlich netter Kerl, ich baue bloß in der letzten Zeit nur noch Müll. Und Du hattest vorhin doch Recht. Mensch, wenn ich mir überlege, wie ich an Deiner Stelle reagiert hätte ... da warst Du ein Musterbeispiel an Freundlichkeit. Echt. Was wir hier mit Dir abgezogen haben, war daneben. Voll daneben."

Cathy schluckte und konnte sich gerade noch den bissigen Kommentar, der ihr auf der Zunge lag, verkneifen, als ein lautes Gerumpel aus dem Nachbargarten die beiden gleichermaßen zusammenzucken ließ. Sie selbst hatte sich einfach nur über den Lärm erschrocken, doch sie erkannte, dass es Jacob weitaus mehr erschrak, wieder an die aktuelle Situation erinnert zu werden. Sie fragte: "Du hast richtig Angst vor ihm, oder? Meinst Du wirklich, er würde Dir was tun? Ich meine ... ernsthaft?" Einen kurzen Moment lang schien er versucht, die ganze Sache mit einem Scherz abzutun, doch irgendetwas zügelte ihn und er sagte: "Ja und nein. Ich meine ... ist nicht so, dass ich mich nicht gegen ihn wehren könnte, oder so. Ich bin immerhin älter und auch stärker als er. Aber es ist ... naja, es ist eben kompliziert. Ich ... würde mich, nein ich will mich gar nicht wehren. Nicht gegen ihn. Er ist mein bester Freund, weißt Du. Und ich verstehe ihn ja. An seiner Stelle würde ich ganz genau so ausrasten."

Cathy sah ihn lange an und sagte schließlich: "Das verstehe ich nicht. Gut, ihr seid Freunde und Du magst ihn bestimmt sehr. Aber wenn Du seiner Meinung bist, warum habt ihr euch denn dann gestritten?" Sie beobachtete ihn wartend und sah deutlich, dass er offenbar abwog, was genau er ihr sagen konnte und wollte. Fast bereute sie ihre Worte schon wieder, doch bevor sie etwas sagen konnte, antwortete Jacob ihr: "Naja ... ich bin ja nicht wirklich seiner Meinung. Er irrt sich gewaltig und ist komplett auf dem Holzweg. Und viel zu stur, als dass man mit ihm reden könnte. Aber ich verstehe ihn trotzdem. Wenn ich denken würde, was er annimmt ... ich würde genauso reagieren und handeln. Du hast ihn vorhin ja selbst gehört. Er macht sich Sorgen um Tashy und will alles tun, damit sie glücklich ist. Und ich wäre der Letzte, der ihm dafür Vorwürfe machen könnte." Er sah sie vorsichtig an, als hoffte er, nicht zu viel gesagt zu haben und die Tatsache, dass Cathy noch immer schwieg, machte es ihm nicht leichter.

Cathy stand auf und grübelte angestrengt, während sie nun das Geschirr einsammelte. Sie versuchte sich darüber klar zu werden, was er alles nicht erzählt haben könnte und ihr fiel etwas auf: "Ihr habt beide Tashy nicht gesagt, worum es bei eurem Streit ging. Das ist merkwürdig. Denn es ergibt doch irgendwie nur dann einen Sinn, wenn sie schuld daran wäre und ihr es ihr aber beide nicht sagen wollt, um sie zu schonen. Auf jeden Fall muss es irgendwie um Tashy bei eurem Streit gehen. Sonst würdet ihr doch mit ihr darüber reden. Seltsam. Hat sie denn irgendwas Schlimmes getan? Wenn ja, dann hat sie es nicht gemerkt. Glaub´ mir ... so wie sie es mir vorhin erzählt hat, weiß sie echt nicht, was los ist. Und ... naja, also sie mag ja ziemlich hibbelig sein und aufgedreht und so ... aber ich glaube irgendwie nicht, dass sie wirklich dumm ist. Auch wenn Du ihr das vorhin ja so charmant gesagt hattest. Das war übrigens wirklich gemein von Dir und ich denke immer noch, dass Du Dich da schleunigst entschuldigen solltest."

Sie ging ganz in Gedanken zum Waschbecken und erledigte den Abwasch, während sie weiter sprach: "Und das solltest Du wirklich, Jacob. Ja, ok ... es geht mich nichts an, wie ihr zwei miteinander umgeht. Aber so redet man nicht mit seiner Freundin. Echt, dass war völlig respektlos. Oder hältst Du sie wirklich für dumm?" Sie sah ihn vorwurfsvoll an und er konnte nur den Kopf schütteln. Ihm fehlten tatsächlich in jenem Moment die Worte, was aber nur in zweiter Linie mit Tashy und seinen Sorgen zu tun hatte. Vielmehr verwirrte ihn die Tatsache, wie gefesselt er von ihren Worten und Gesten war. Er registrierte deutlich, wie und vor Allem wohin sein Blick immer wieder hinschweifte und hatte einige Mühe, sich zu konzentrieren, was ihn immer mehr beunruhigte. Er spürte ihren Blick auf sich ruhen und hörte Cathy sagen: "Siehst Du. Dann rede mit ihr. Ich kann mal schauen, ob mein Telefon funktioniert, dann kannst Du sie gleich anrufen. Wenn Du willst, gehe ich auch ran, falls ihre Mutter abhebt."

Er stand unvermittelt auf und sagte: "nein, nein. Ich mache das schon. Ich sollte ... ich muss auch los jetzt. Es dämmert schon und Ty ist ja auch fertig drüben. Ich ... ja, ich werd´ dann mal los." Cathy war zwar etwas überrascht von seiner Eile, dachte sich aber nichts weiter dabei und sagte: "Es macht mir nichts aus, das mit dem telefonieren und so. Also ... naja, Du weißt schon. Es ist aber echt wichtig, dass Du das bald mit ihr klärst, ja?" Sie machte ihm die Hintertür auf, wo er sich zu ihr drehte: "Ja, dass mache ich. Versprochen." Als er schon eine Stufe nach unten gegangen war, kehrte er noch einmal um und sah Cathy eindringlich an: "Ich ... ich bin übrigens kein Schläger. Ich hätte Tashy keine geklebt oder so." Sie sah ihn verwundert an und antwortete: "Das solltest Du mal lieber ihr erzählen, Jacob." Er deutete mit einer kleinen Geste auf ihr Auge und sagte leise: "Ich wollte es aber Dir sagen. Ich würde nie ein Mädchen schlagen." Ohne eine Antwort zu erwarten drehte er sich nun endgültig um und ging.

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